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Sonntag, 4. Mai 2025

Bhutan II: Das Land der Klöster, Mönche allen Alters und der kurvenreichsten Strassen dieser Welt.

Kann man Glück messen? Ja, sagte sich das Königreich Bhutan in den 1970er Jahren und führte das Bruttonationalglück (Gross National Happiness)  ein. Es gilt als Alternative zum Bruttoinlandprodukt (BIP) und misst das Wohlbefinden der Bevölkerung statt das wirtschaftliche Wachstum. Bhutan steht damit als weltweites Unikum da. 

Und was denkt die Bevölkerung darüber? Der Gradmesser ist wie so oft die Abstimmung mit den Füssen. Sowohl bei der ersten wie auch jetzt bei der zweiten Reise erfuhr ich, dass viele Junge das Land verlassen und vor allem in Australien ihr wirtschaftliches Glück suchen. 

Hauptgrund: Sie sehen in der wirtschaftlichen Realität ihres Königreichs keine Zukunft. Derzeit verlassen jährlich über 10'000 Junge das Land, bei einer Bevölkerung von nur gegen 800'000 Einwohnerinnen und Einwohner. Wer zurückbleibt, riskiert Arbeitslosigkeit. Die Rate unter den Jungen liegt laut neueren Erhebungen im zweistelligen Bereich. 


Die wichtige Rolle der Klöster in der Geschichte Bhutans

Und der zweite Eindruck, der sich aufgrund der täglichen Begegnungen aufdrängt: Gefühlt die Hälfte der Bevölkerung lebt in Klöstern. Richtig oder falsch? Keine Ahnung, aber das Land des Donnerdrachens, wie sich Buthan bezeichnet, ist zutiefst religiös. Den weinrot gekleideten Mönchen jeglichen Alters begegnet man auf Schritt und Tritt. 


Für Kinder aus armen Verhältnissen ist das Kloster oft einzige Ausbildungsmöglichkeit.


Als tibetische und indische Mönche nach Bhutan kamen, allen voran der legendäre Guru Rinpoche, stiessen sie religiöse, kulturelle und politische Veränderungen an. Seit dem 12. Jahrhundert ist der Lamaismus die Staatsreligion in Bhutan, seine Würdenträger wiederum sind nicht nur religiöse, sondern auch politische Akteure. Ihre Klöster waren Festungen, die vor Angriffen schützen sollten, und Stützen des Feudalsystems.  

A propos Feudalsystem: Die Leibeigenschaft in Bhutan wurde erst von König Jigme Dorje Wangchuck, der von 1952 bis 1972 regierte, abgeschafft.  

Mönche  spielen nach wie vor eine wichtige Rolle im Bildungssystem. In der Vergangenheit waren Klöster oft die einzige verfügbare Bildungstätte für Kinder in ländlichen Gebieten. Noch heute schicken arme Familien aus purer Not ihre Kinder in Klöster. Nicht selten sind die Bedingungen wegen Lehrermangels und ungeeigneten Räumlichkeiten prekär. 


Wie Leki und Chening die Armutsfalle überwinden konnten. 

Auf meiner jüngsten Reise bin ich auf zwei Stories gestossen von mausearmen Bauernkindern, die auf Umwegen und mit viel Ausdauer doch noch ihren Traumjob gefunden haben.

Leki wuchs als Kind von Kleinbauern im abgelegenen Mongar-Bezirk im Ostbhutan auf. Mit 12 Jahren entdeckte Leki bei einem Besuch in einem Kloster die faszinierenden Thangkas, farbige Rollbilder des tantrischen Buddhismus, die zur Meditation in Tempeln oder Hausaltären aufgehängt sowie bei Prozessionen mitgeführt werden. 

Leki wollte unbedingt Künstler werden. Es blieb beim Traum. Angesichts der Armut seiner Eltern verliess Leki nach dem achten Schuljahr das Elternhaus und verdingte sich auf Baustellen in Westbhutan, um den Eltern nicht mehr zur Last zu fallen.  

Der Zufall wollte es, dass er just für die Renovation jenes Tempels eingesetzt wurde, wo er Jahre zuvor auf die Kunst der Thangka gestossen war. Seine alte Liebe für das Kunsthandwerk entflammte von neuem. Er kam in Kontakt mit der Choki Traditional Art School (CTAS), einer privaten Ausbildungsstätte für traditionelles Kunsthandwerk, wo Jugendliche aus ärmlichen Verhältnissen und Waisenkinder kostenlos wohnen und eine Ausbildung machen können. Die Schule hat ihren Sitz in der Hauptstadt Thimpu. 2021 wurde Leki zugelassen. 

In den nächsten drei Jahren gewann er mehrere Auszeichnungen für seine Thangkas und schuf sich einen Namen in der Kunstszene. Mit dem Geld, das er nun verdiente, unterstützt er nicht nur seine Eltern, sondern ermöglichte in diesem Jahr einem mittellosen Studenten, die Schule zu absolvieren.


Zu Besuch im Institute of 13 Arts

Wir besuchten einen Ableger dieser Berufsschule in Trashiyangtse in der nordöstlichen Ecke von Butan. Im "Institute of 13 Arts" werden junge Frauen und Männer im unter anderem im Weben, Sticken, der Herstellung von religiösen Figuren aus Holz und Lehm  und dem Schmieden von Schwertern unterrichtet. Die Ernsthaftigkeit, mit der hier unterrichtet und gearbeitet wird, hat uns sehr imponiert. 



Seidenstickerei


Kunst wird aus Holz geformt

Und was hat der Schwarzhalskranich mit Chening Dorji zu tun? Der selten gewordene Vogel aus dem Tibet verbringt die Wintermonate in zwei Reservaten in Bhutan. Und die Überraschung war gleich doppelt gross, als wir ins Phobjikha Valley einfuhren und unweit der Strasse einige Schwarzhalskraniche entdeckten? Hatten sie ihren Rückflug ins tibetanische Hochlandplateau verpasst? Ihre Artgenossen waren schon in den Wochen zuvor in ihre Heimatgefilde zurückgeflogen, wie wir erfuhren. 


Schwarzhalskraniche im Phobjikha Valley


Wie auch immer: Der Anblick der eleganten Vögel war überwältigend. Womit ich bei Chening Dorji angekommen wäre. Chening stammt aus einem abgelegenen Dort in Ostbhutan. Bereits im zweiten Schuljahr musste wurde er zurück auf den elterlichen Hof um bei der Arbeit zu helfen. 

Ein Onkel nahm in später mit in die Hauptstadt Thimpu, wo er einen Job als Hilfsfahrer fand. 1998 stellte ihn die Königliche Naturschutzgesellschaft als Fahrer an. Er begleitete Forscher und Naturschützer auf Erkundungstrips durch Nationalparks und entwickelte sich dabei zum Vogelspezialisten. Er begann, eigene Vogelbeobachtungsausflüge zu organisieren und gründete mit Gleichgesinnten und dem WWF Vogelclubs für junge Bhutanesen. 

Als ihm ein ausländischer Gast eine Kamera schenkte ermunterte ihn ein WWF-Manager, Vogelaufnahmen zu machen, statt nur durch den Feldstecher zu starren. Er brachte sich das Fotografieren selber bei und seine Bilder schafften es schliesslich bis in die Fachliteratur. 

Sowohl auf ihn wie auch auf Leki war ich bei der Lektüre des Bordmagazins der bhutanesischen Fluggesellschaft Drukair gestossen. 

Den Schwarzhalskranichen begegneten wir später noch einmal bei einem Rundgang durch durch die Hochebene von Phobjikha. Und nicht nur ihnen: Zwischen Yak-Herden landeten und starteten die imposanten Himalaya-Geier, die eine Flügelspannweite von bis zu 3 Meter haben können. 


Ein Himalaya Geier. 


Das Abfallproblem im Königreich

Ihren Flügen zuzuschauen, war ein Highlight. Senkt man die Augen wieder auf den Boden, trifft man auf eine andere Realität. Das überaus dünnbesiedelte Land, das sich als besonders umweltfreundlich propagiert, hat ein grosses Abfallproblem. Auf Schritt und Tritt treffen wir im Phobjikha-Valley auf Plastik- und Glasflaschen, leere Chips-Beutel, Alu-Abfall und vieles mehr. Im Müll lassen sich die veränderten Essgewohnheiten studieren. Snack- und Fast-Food-Verpackungen und Unmengen von Plastikflaschen für Süssgetränke landen unkontrolliert in der Umwelt.  


Abfall am Strassenrand und auf dem freien Feld


Entlang der über 700 km langen Lateral Road, wie die einzige Strassenverbindung von Osten nach Westen heisst, trifft man am Rand auf das, was das autofahrende Volk zum Fenster rauswirft. Dabei werden die Autofahrer und Wanderinnen auf Schritt und Tritt gewarnt, dass das Wegwerfen von Abfällen strafbar sei. 

Blickt man von einem der zahlreichen Aussichtspunkt entlang der Route in die grandiose Berg- und Tallandschaft, entdeckt man vielerorts Abfallsäcke, die an den bewaldeten Steilhängen "entsorgt" wurden. Zwar wurden in den letzten Jahren in Dörfern Entsorgungspunkte geschaffen, meist in Form von kleinen Häuschen, in denen man Glas, Plastik und Metall deponieren kann. Doch meist sind dieses Sammelstellen rappelvoll, was darauf hinweist, dass die Behörden den Abfall nicht weg transportieren.  


An den Sammelstellen häuft sich der Abfall. Und er bleibt so liegen. 


Bei meinem jüngsten Aufenthalt in Bhutan enervierte sich ein Leser in der ältesten Zeitung des Königreichs namens "Kuensel" über die "nationale Schande". "Was stimmt bei uns nicht? Warum können wir das Problem nicht lösen? Handelt es sich um eine kulturelle Schwachstelle oder fehlt es uns  ganz einfach an jeglichem Verantwortungsbewusstsein?" 


Bleibt nur ein frommer Werbespruch. 

Und der Leser benannte den grössten Schwachpunkt: Das Abfallverbot werde überhaupt nicht umgesetzt, es gebe weder Bussen noch würden Umweltsünder zur Verantwortung gezogen. Und offenbar hätten die Lokalbehörden ganz andere Prioritäten als die Umsetzung einer funktionierenden Abfallbewirtschaftung zu garantieren. 


Die Entschleunigung auf Bhutans Ost-West-Transversale


Steinschlag, Hangrutsch und fast keine Brücken: Bhutans Transversale von Ost nach West ist ein Abenteuer. 

Doch jetzt zu zwei ganz anderen Facetten von Bhutan. Die 700 km auf der Lateral Road von Ost nach West sind eine wahre Entschleunigungskur. Unser Driver Dodzhi fuhr den achtplätzigen Honda nie schneller als 25 bis 30 Stundenkilometer. Erstens war das Fahrzeug bis aufs Dach mit Gepäck beladen. Und zweitens ist die Lateral Road eine unendliche Abfolge von Kurven aller Art, von der übersichtlich angelegten leichten Kurve bis zur Haarnadelkurve im steilen Gelände.

Wohl aus Kostengründen werden nur ganz selten Brücken errichtet, um die Strasse zu begradigen.  Und wohl ebenfalls aus Kostengründen werden, wenn überhaupt, nur minimale Vorrichtungen gegen Steinschlag errichtet. Dies, obwohl Hangrutsche und Steinschlag allgegenwärtig sind. 

Steinschlag ist eine permanente Herausforderung im Strassenbau. 


Die langsame Fahrt erlaubt es andererseits auch Ausschau zu halten nach seltenen Vögeln und gar nicht so seltenen Affenarten. Zweimal stiessen wir auf Grau- und Goldlanguren und Makaken, die in den Bäumen in Strassennähe zu unserem grossen Vergnügen herumturnten. 


Languren im Magnolienbaum



Makaken machen "Verkehrskontrolle".


Bhutans Totenkult an jeder Strassenecke

Und natürlich ist die Strasse gesäumt von Stupas, kleinen Tempelanlagen und Gebetsfahnen. Und von überhängenden Felsen. Ob in Felsenritzen oder auf Tempelmauern: Überall findet man die kleinen Tonfiguren. Sie zeugen vom intensiven Totenkult in Bhutan und heissen Tsatsa. 


Findet man fast überall entlang von Strassen und Fusswegen: Tsatsa


Nach der Feuerbestattung wird die Asche des Verstorbenen mit Ton vermengt und aus der Masse kleine Figuren geformt. Meist erinnern sie an ein Stupa-Dach, es gibt sie in allen Grössen, zumeist in den Farben Rot, Gelb und Gold. Mit diesen religiösen Gegenständen ehren die Familien ihren Verstorbenen und nehmen Abschied, indem sie die Tsatsa in Höhlen, Felsspalten, Stupas, Tempeln und in Gebetsmühlen platzieren. 


Bhutans Küche - einmal ganz scharf, einmal ganz grün

Und mit zwei Grüssen aus der Küche beende ich meine Berichte aus Bhutan: Mein erster Gruss heisst Ema Dazhi. Ema bedeutet Chili und Dazhi Käse. Das sehr scharfe Gericht gilt als Bhutans Nationalgericht und wird zu jeder Mahlzeit serviert. Es ist ein einfacher Eintopf aus verschiedenen Chilisorten und Käse. 

Man kann die Schärfe mildern, indem man mildere Chilisorten verwendet oder andere Gemüsearten hinzufügt. In  Bhutan wird am häufigsten Cheddar-Käse verwendet, der leicht schmilzt. Traditionell wurde Yak-Käse verwendet. Er gilt inzwischen selbst in Bhutan als exotische und entsprechend teure Delikatesse.


Meine Lieblingsspeise: Das extrem scharfe Ema Datshi.

Ema Datshi zuzubereiten ist ganz einfach. Es ist ein simpler Eintopf aus verschiedenen Chilisorten, frisch oder getrocknet, und Käse. Man kann die Schärfe von Ema Datshi etwas herausnehmen, indem man entweder mildere Chilisorten verwendet oder Pilze und Kartoffeln hinzufügt. In Bezug auf den Käse wird in Bhutan am häufigsten Cheddar-Käse verwendet, welcher leicht schmilzt. Traditionell wurde der würzige Yak-Käse verwendet, er gilt inzwischen allerdings als exotische Delikatesse und kann sehr teuer sein. 

Mein zweiter Gruss heisst Adlerfarn. Das grüne Kraut ist nicht wegzudenken aus den bhutanesischen Kochtöpfen. Der Adlerfarn gilt in unseren Breitengraden als giftig, in der asiatischen Küche wird das Grünzeug hingegen als bekömmliches Gemüse zubereitet. Ich habe es nicht nur überlebt, es hat mir auch sehr gemundet. 


Farnkraut wird in Bhutan als Gemüse serviert. 


















 













Mittwoch, 30. April 2025

Bhutan I: Vom blühenden Rhododendron in den Schneesturm (30. März bis 21. April 2025)

Als ich vor bald drei Jahren zum ersten Mal nach Bhutan reiste, gab es praktisch nur ein Einfallstor: Der internationale Flughafen in Paro, ganz im Westen des Landes gelegen. Das hatte zur Folge, dass die Reisenden ihre Besichtigungstouren vor allem in der westlichen Hälfte des Landes machten, wo auch die Hauptstadt Thimpu liegt. 

Der Osten des Himalaya-Landes war damals weitgehend vom Tourismus ausgeschlossen. Ein wesentlicher Grund: Die Flugverbindungen vom Paro nach Jakar und vor allem nach Yonphula ganz im Osten glichen einer Lotterie. Und sie sind es noch heute. Die meteorologischen Verhältnisse lassen Flüge nur sehr unregelmässig zu. Und für die Alternative, eine lange Reise auf der einzigen Ost-West-Strassenverbindung, braucht es viel Zeit, was die meisten Bhutan-Reisenden nicht haben. 

Seit Oktober 2024 ist Ostbhutan für Besucherinnen und Besucher endlich näher gerückt. Der lange Zeit geschlossene butanesische Grenzübergang Samdrup Jonghkar wurde wieder geöffnet. 

Reisende können seither aus der Schweiz nach New Dehli und von dort in zweieinhalb Stunden nach Guwahati in Nordostindien fliegen und erreichen dann auf einer gut ausgebauten Strasse mit einem Taxi in wenigen Stunden den indischen Grenzort Darangamela. 


Wenn Beamte nicht mitspielen

Voller Vorfreude steuerten meine beiden Mitreisenden, darunter Christine Jäggi, die über ihr Berner Reisebüro Onthewaytours die Bhutan-Tour organisiert hat, den Grenzübergang an.

Lass dich nie aus der Ruhe bringen! Wer diese Devise nicht kennt, sollte sie spätestens auf einer Reise in diese Weltgegend verinnerlichen. 

Als wir nach 18 Uhr beim indischen Zollamt vorfuhren, waren die Lichter ausgeschaltet. Die Beamten genossen bereits ihren Feierabend. Und dies, obwohl in international zugänglichen Informationen steht, dass der Grenzposten rund um die Uhr offen sei. Der Postenchef reagierte nicht auf die Anrufe von Christine. 

Und so mussten wir notfallmässig in Darangamela ein Hotel suchen. Die Nacht wurde kurz, weil alle Hunde in der näheren und weiteren Umgebung zum nächtlichen Gebell ansetzten. (Da Hunde keine Grenzen kennen, wurden wir in den folgenden Wochen auch auf bhutanesischer Seite fast jede Nacht von den Vierbeinern beschallt.)

Am Morgen danach knallten die indischen Beamten die Stempel zügig in unsere Pässe. Der bhutanesische Beamte in Samdrup Jonghkar hingegen sah das anders. Er pochte bei einem von uns dreien auf einen Papierausdruck des Visums im Pass. Das kostete sehr viel Zeit, weil zuerst ein Drucker gesucht werden musste. Unser bhutanesischer Guide Ugyen Wangchuk, der uns zuvor in Empfang genommen hatte und uns die nächsten drei Wochen coachen würde, tat sein Möglichstes. Der Beamte blieb bei seinem Vorhaben. 




Ugyen und Dozhi, unsere Begleiter auf der Reise durch Ostbhutan. Sie sorgten für Teepausen und vieles mehr unterwegs.




Mit viel Verspätung konnte das Abenteuer Ost-Bhutan dann doch noch in Angriff genommen werden. Der erste Höhepunkt dieser Reise sollte das alpine Trecking von Merak nach Sakteng sein. Würde ich die Wanderhöhe von knapp 4160 m problemlos schaffen? Ich hoffte es sehr. 

Auf dem Weg nach Merak, dass auf 3570 m Höhe liegt und mit Sakteng zu den östlichsten Orten in Bhutan gehört, landeten wir zu unserer grossen Freude unversehens auf einem riesigen Festplatz: Das jährliche Rhododendron-Festival, das sieben Tage dauert, war voll im Gange.

Pfeilbogenschützen und Schönheitswettbewerb

In diesem abgelegenen Hochland wachsen unzählige Rhododendron-Bäume. Von den über 46 Arten in Bhutan sollen allein hier gegen 40 Spezies zu finden sein. Wir spazierten über das hügelige Gelände, wo sich täglich weit über Tausend Menschen einfinden. Sie breiten ihre Decken auf dem Boden aus und folgen den musikalischen Darbietungen. Zahlreiche Stände mit Textilien, Kunsthandwerk und lokalen Speisen laden zum Flanieren ein.  


Sieben Tage lang wird gefeiert....


...und gefestet.



Spass unter dem Rhododendronbaum


Am Rande des Festgeländes fand ein Turnier unter Pfeilbogenschützen statt. Das Bogenschiessen ist der Nationalsport von Bhutan. Beim Schauen kam man als Laie bald einmal ins Rätseln. Im weit entfernten Zielhang gab es zwar Holzwände zu Schutz der Männer, welche die Einschüsse in die Zieltafel kontrollieren und das Ergebnis laut gestikulierend melden. Ins Bogenschiessen mischen sich übrigens immer mehr Frauen ein. 


Pfeilbogenschiessen, Bhutans Nationalsport



Im Zielhang hält man sich nicht mit Sicherheitsfragen auf


Doch niemand suchte Schutz. Im Zielhang hatten sich auch Zuschauer häuslich niedergelassen und verfolgten das Treiben aus der Nähe. 

Weitaus weniger gefährlich erschien uns da die Wahl der Miss Bropka, die im Zentrum des Festgeländes stattfand. 



Wer ist die schönste Bropka in Ostbhutan? 


Kleiner kulturhistorischer Exkurs: Die Brokpa stammen aus dem Tibet. Der Legende nach sollen sie im 15. Jahrhundert in den Süden ausgewandert und eine neue Heimat gesucht - und sie später in Merak und Sakteng gefunden haben. Ihr Lebensstil gilt als halbnomadisch. Sie züchten Yaks und stellen unter anderem fermentierten Yakkäse her. Auch wird die Yak-Wolle für Textilprodukte weiterverarbeitet. 

Die älteren Brokpa-Frauen fallen vor allem durch ihre farbenfrohen Kleider und durch ihre Kopfbedeckung namens Tripee Cham auf, einem schwarzen Filzhut mit Fransen. Gerne präsentieren sie auch ihren zahlreichen Schmuck, der unter anderem aus Korallen gefertigt wird. 



Unsere Gastgeberin in Merak (r.) mit der typischen Bropka-Haartracht


Auf der Weiterfahrt setzten sich zwei Brokpa-Frauen zu uns ins Auto. Die eine würde uns die nächsten zwei Tage in ihrem Haus beherbergen, wie wir erfuhren. 

Als wir in Merak schliesslich ausstiegen, war es sehr kalt geworden. Das Gästehaus bestand aus drei Schlafzimmern und einem Aufenthaltsraum mit einem gusseisernen Ofen. Dazu gehörte eine Toilette, die aus der WC-Schüssel, einem Kübel kaltem Wasser sowie einem alten Oelfass bestand, das mit Regenwasser gefüllt und mit einem Schöpfgefäss ausgerüstet war. Wir ahnten es: Das Wasser im Fass diente zum Spülen des Toilette. Keine Heizung weit und breit. 


Wie wir zu Einheizerinnen und Einheizer wurden

Das vordringlichste Problem nach unserer Ankunft war die einzige Heizung in Gang zu bringen.  Unter kundiger Anleitung unserer Gastgeberin entwickelten wir uns im Nu zu Profi-Einheizerinnen. Und ich überdies zur verbissenen Türschliesserin. Wann immer unsere Wirtin auftauchte - was sie sehr oft tat, stets liess sie die Türe der geheizten Stube offen. 


Heizen als überlebenswichtigste Aktivität

Kälte ist für sie ganz offensichtlich ein Fremdwort. Kein Wunder, unter ihren farbigen Röcken trug sie lange Unterwäsche und dies offensichtlich in mehreren Schichten. 

Wenn wir nicht gerade auf einem Dorfrundgang waren, verbrachten wir die meiste Zeit in der geheizten Stube. Bei den Mahlzeiten gesellten sich jeweils der Guide Ugyen und der Fahrer Dozhi zur gemütlichen Runde dazu. 

Um in meinem eiskalten Schlafzimmer zu überleben, sammelte ich alle Wolldecken auf den zwei vorhandenen Betten ein und verkroch mit darunter. 

Die zwei Tage in Merak sollten der Akklimatisierung dienen. 

Am zweiten Tag im Bergdorf kippte unsere Stimmung. Auf einem ausgedehnten Spaziergang durchs Dorf und in die nähere Umgebung notierten wir die Wolken- und Nebelbänke, welche die Berge einhüllten. Wir diskutierten über das Für und Wider. Was bringt ein anstrengendes zweitägiges Trecking in dünner Höhenluft, wenn wir im Nebel stecken und nichts, aber auch gar nichts von der grandiosen Berglandschaft mitbekämen? Schliesslich sausten unsere Daumen nach unten. Die gedrückte Stimmung hielt allerdings nicht lange an. 


Kein Strom, dafür ein Schneesturm

Zurück in der warmen Stube fiel am Abend plötzlich der Strom aus, was in diesem Land nichts ungewöhnliches ist. In bester Laune präsentierten wir uns im Licht unserer Handys und machten auf Geisterbeschwörung, bis die Wirtin die fröhliche Runde mit einer Batterielampe "erhellte". 

Und dann lösten sich noch allfällig letzte Zweifel an unserem Entscheid ultimativ auf: Draussen tobte inzwischen ein veritabler Schneesturm. Über unser Fahrzeug legte sich eine dicke Schneedecke.



Unser Auto im Schnee


Als wir am nächsten Morgen Merak verliessen, präsentierten sich die Berge in einem weissen Kleid. Unser Guide hatte inzwischen erfahren, dass das Hochtal, in dem wir nach der Passüberquerung unsere Zelte aufgeschlagen hätten, zum Sumpfgelände geworden war. 


Der plötzliche Schneefall, der unser Trecking vereitelte.






 


 









Tunesien III: Die Regierung hat das Land fest im Griff, nicht jedoch den Müll. Und zum Schluss Erhellendes zu den modernen Bauruinen.

Durchkommen nur zu Fuss. Unser Hotel lag hinter dem Regierungsviertel, das von der Polizei rund um die Uhr bewacht wird.  Nebst den den berü...